NST | Neue Mitte Nordsteimke

Preisgericht
Obergutachter:innen
Ständig anwesende stellvertretende Obergutachter:innen
Projekt-Ergebnisse
↑1. Preis
1. Preis: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund
Das städtebauliche Konzept ist gekennzeichnet durch eine innere Logik und Klarheit. Das neue Quartier ist ganz beiläufig und ebenso selbstverständlich in die bestehende Situation eingefügt. Die neue Bebauung tritt gegenüber der Landschaft als ablesbare Form in Erscheinung und bietet zugleich eine sukzessive Weiterentwicklung des Quartiers. Durch die radiale Führung der Erschließung und die unterschiedlich großen Plätze entstehen im gesamten Quartier sehr spannende Raumsequenzen, die eigenständig in Erscheinung treten und eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Der Bildungscampus wird gut in das Quartier eingebunden.
Die Vielfalt an Wohntypologien unterstützt das Ziel des Auslobers, ein Quartier zu realisieren, das von Menschen ganz unterschiedlicher Bedürfnisse angenommen wird. Das Konzept wird generell als sehr robust angesehen und kann dadurch gut auf sich verändernde Anforderungen reagieren. So ist es beispielsweise vorstellbar, dass zu den Rändern des Quartiers hin die Bauten in ihrer Höhe reduziert oder kleinteiliger ausgeführt werden.
Die Lage des Campus wird begrüßt. Hervorgehoben wird die gute Adressbildung und die Öffnung der Bildungseinrichtungen zum Günraum. Eine stärkere Verknüpfung mit dem zentralen Platz wärezu überprüfen. Die straßenbegleitende Bebauung entlang der K5 ist in der Typologie richtig gewählt. Sie bietet eine ablesbare Identität und Adresse als Ortseingang für Nordsteimke und schafft an dieser Stelle den erforderlichen Schallschutz. Die gegen Norden anschließende Wohnbebauung bedarf noch einer Überprüfung.
Die Positionierung von EDEKA auf dem westlichen Grundstück wird aufgrund seiner zentralen Lage begrüßt. Um auf eine separate Wegeführung durch eine Brücke über die K5 zu verzichten, welche aus Sicht der Verfasser eine unangemessene Priorisierung des MIV’s gegenüber dem menschlichen Maßstab darstellen würde, ist eine ebenerdige Überquerung mit z.B. einer Tempo 30 Zone vorgeschlagen. Die Realisierbarkeit dieser durchaus sympathischen Idee bedarf einer eingehenden Prüfung. So bietet auch die Ausbildung einer dreireihigen Baumallee entlang der K5 die Möglichkeit, dieVorzone zum Quartier als attraktive Erschließung für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen weiterzuentwickeln.
Die geplanten Typologien und die Nutzungsmischung entlang der K5 geben erlauben eine flexible Umnutzung. Um die die Transformation der Mobilität zu stärken, favorisieren die Verfasser die Erstellung von oberirdischen Parkdecks. Diese Einschätzung wird vom Gremium geteilt. Insgesamt würdigt das Gremium die gelungene Integration des neuen Quartiers in die bestehende Situation und die zugleich hohe Eigenständigkeit des Beitrags. Die abwechslungsreichen Freiräume und die gewählte Typologie der einzelnen Bausteine versprechen ein Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität. Hier und da werden geringe Anpassungen erforderlich, so beispielsweise beim Campus. Diese Anpassungen würden das Gesamtkonzept nicht schwächen.
↑2. Preis
2. Preis: Machleidt GmbH Städtebau + Stadtplanung, Berlin
Die Planung zeigt eine Weiterentwicklung der im Zwischenkolloquium präsentierten Überlegungen. Dabei sind die Empfehlungen und Anregungen aus dem Gremium aufgenommen worden, insbesondere der Hinweis, dass die Anzahl der Wohneinheiten und die bauliche Dichte deutlich zu verringern sind. Die Reduktion der Einheiten führt nun zum Wegfall der südlichen Quartiere. Diese Entscheidung ist zwar nachvollziehbar, der bauliche Rand zum Grünraum wird aus Sicht des Beurteilungsgremiums durch den Wegfall jedoch geschwächt. Insgesamt ist festzustellen, dass die Reduktion der Dichte die Ablesbarkeit der ursprünglichen Figur verunklart, das neue Quartier dadurch bruchstückhaft in Erscheinung tritt und der Ortsbezug verloren geht. Vor diesem Hintergrund werden die nun für die Bebauung vorgeschlagenen optionalen Felder ebenso kritisch gesehen.
Der zentrale Platz ist gut positioniert und dient als wichtiger Orientierungspunkt im Quartier. Die Idee des grünen Bandes wird generell als ein großzügiges Angebot an Grünraum in zentraler Stelle positiv bewertet. Zugleich wirkt der Platz und das grüne Band im Verhältnis zu der eher geringen Höhenentwicklung angrenzender Bauten überdimensioniert. Im Gremium wird mehrheitlich die Auffassung vertreten, dass durch die üppige Breite des Bandes das Quartier eher geteilt als verbunden wird.
Eine Nutzungsdurchmischung ist gegeben, eine noch stärkere Durchmischung wäre wünschenswert. Der Auftakt des Campus am zentralen Platz wird begrüßt. Hinterfragt wird, ob die Kindertagesstätte auf Grund ihrer eher geringen Höhe hier den richtigen Auftakt bilden kann. Die Positionierung der Spielfelder ist richtig gewählt. Die vorgeschlagene Überquerung der K5 durch eine Fußgängerbrücke wird im Gremium intensiv und kontrovers diskutiert. Schlussendlich wird mehrheitlich die Auffassung vertreten, dass auf eine weitere Fußgängerbrücke über der K5 zu verzichten ist.
Kontrovers wird auch der Vorschlag eines baulichen Bandes für Handwerksbetriebe entlang der K5 diskutiert. Einerseits ist der Wunsch nach einer baulichen Fassung der K5 nachvollziehbar, andererseits wird in Frage gestellt, ob mit gewerblichen Bauten ein attraktiver Auftakt für das Quartier entsteht. Gewürdigt wird die Idee eines wirksamen Schallschutzes, der durch die Bebauung für das angrenzende Wohnquartier entstehen könnte. Die dargestellten ein- bis zweigeschossigen Baukörper werden die erforderliche Schutzwirkung jedoch nicht erreichen. Sie sind zu niedrig. Ein besonderes Augenmerk bedürfen in diesem Bereich die Grünräume, die derzeit eher als Abstandsgrün wirken.
Das Angebot an zwei Quartiersgaragen und die Idee, das Parken oberirdisch zu organisieren, werden positiv herausgestellt. Die Lage der Quartiersgarage westlich der K5 wird hinterfragt. Deren Lage wird als zu prominent bewertet. Insgesamt würdigt das Gremium die hohe Qualität der Arbeit und deren Ausarbeitungstiefe. Es ist zugleich der Auffassung, dass die Reduktion der Dichte den ursprünglich kraftvollen städtebaulich und freiraumplanerischen Ausdruck geschwächt hat.