STA | Der neue Stöckach, Stuttgart

Preisgericht
Fachpreisrichter:innen
Sachpreisrichter:innen
Ständig anwesende stellvertretende Fachpreisrichter:innen
Stellvertretende Sachpreisrichter:innen
Projekt-Ergebnisse
↑1. Preis
1. Preis: tong+ mit Hannes Hörr Landschaftsarchitektur, Remseck
Beurteilung des Preisgerichts der Arbeit 9013
Die Arbeit zeichnet sich durch einen sehr guten städtebaulichen Ansatz zur Transformierung und Innenentwicklung des EnBW-Areals aus. Identitätsstiftende Gebäude werden erhalten, gut in das Bebauungskonzept eingefügt und umgenutzt.
Wichtige Erschließungsachsen vernetzen das Quartier mit dem gesamten Stöckach. Die Eingangsbereiche werden durch kleinere Platzbereiche geöffnet und aufgewertet. In der Mitte des Quartiers befindet sich ein größerer öffentlicher Platz, der sich sehr gut als Treffpunkt für die Nachbarschaften und als soziale Mitte eignet.
Daran können sich in den Erdgeschosszonen Versorgungseinrichtungen, Gastronomie, Läden, kleinere gewerbliche oder kulturelle Einrichtungen angliedern.
Zentral befinden sich mehrere sogenannte Hubs – multifunktionale Versorgungs- und Servicegebäude, die sich auch baulich verträglich aus dem Quartier hervorheben und somit auch Orientierungspunkte bilden. Die Position des zentralen Hochpunktes und dessen Höhe selbst kann jedoch nicht überzeugen und müsste überarbeitet werden. Das öffentliche Raumgefüge einschließlich der Umgestaltung des Heilandplatzes, wird als gelungen bewertet.
Die halboffenen, neuen Blockbereiche eignen sich gut für neue Wohneinheiten und versprechen auch eine angenehme Wohnqualität. Begrüßenswert ist, dass der Wohnungsmix und die Anzahl der Wohneinheiten nahezu den Vorgaben entsprechen.
Der Erhalt der Sporthalle wird positiv gesehen. Die Versetzung der Energiezentrale (Umspannwerk) ist gesichert und technisch möglich. Der geplante Abriss des Verwaltungsgebäudes an der Hackstraße wird zwar bedauert, hat aber den enormen Vorteil einen neuen alternativen Eingangsbereich direkt gegenüber der Stadtbahnhaltestelle zu schaffen. Dies trägt zur besseren Erschließung des neuen Quartiers mit dem ÖPNV bei.
Durch die gut durchgrünten Innenhöfe, liegt der Grünflächenanteil im Rahmen. Insgesamt wird der Entwurf als gelungen und überzeugend angesehen und kann damit zur positiven Entwicklung des Stadtteils Stöckach und der gesamten Innenstadt zwischen der Villa Berg und dem Schlossgarten mit dem neunen Stadtteil Rosenstein beitragen.
↑2. Preis
2. Preis: Atelier Kaiser Shen Architekten PartGmbB, Stuttgart
Beurteilung des Preisgerichts der Arbeit 9009
Die Verfasser belassen identitätsstiftende Bestandsgebäude, setzen maßstäblich passende Blockrandstrukturen dazu und schaffen dadurch eine klare und einfach verständliche Außenraumstruktur. Gassen führen zum zentralen Platz mit dem durch ein Gründach überhöhten Gebäude 30-32. Diese Ausgangslage ist belastbar und bietet die Möglichkeit, vielfältig mit der Topografie, mit dem Wohnungsmix oder den kleinen Überraschungen umzugehen, die ein neues Stadtquartier lebenswert machen.
Von Westen nach Osten verbindet eine baumbestandene Wohnstraße die Innenstadt mit der Villa Berg. Von Norden nach Süden wird eine Abfolge von öffentlichen Plätzen über Stufenanlagen und Rampen angeboten. Die Hauptverbindung von der Straßenbahn-Haltestelle ins Quartier erfolgt über einen großzügigen internen Durchgang mit einem von Kletterpflanzen überdeckten Innenhof. Nicht nachvollziehbar ist der Durchgang vom zentralen Platz zur Schwarzenbergstraße auf die Rückseite zur alten Randbebauung. Obwohl die Setzung vieler Bäume geplant wird, scheint die versiegelte Fläche noch zu groß. Ein Konzept für die Nutzung der Dachflächen ist noch nicht ersichtlich, wünschenswerte begrünte Fassaden sind nur im zentralen Platzgebäude aufgenommen.
Die Bestandsgebäude nehmen vielfältige Nutzungen auf, was sehr positiv diskutiert wird. Die schmale innere Schicht von der ehemaligen zentralen Werkstätte wird aber als zu schmal und dadurch zu wenig nutzbar erachtet. Auch der Abbruch und das Verschieben der Sporthalle ist wenig sinnvoll. Die Neubauten bilden ähnlich große Höfe resp. Teilhöfe wie die Bestandsgebäude, was als sehr angenehm empfunden wird. Der angestrebte Wohnungsmix ist plausibel. Konzeptionelle Ansätze wie „Clusterwohnungen“, „Waschsalons“, „Co-Working“, „Joker-Zimmer“ und ähnliche gemeinschaftlich orientierte Angebote sind positiv hervorzuheben. Die kopfartige Ausbildung der beiden neuen Gebäude zum Heilandplatz wird positiv diskutiert. Wobei weder die Gestaltung vom Heilandplatz noch der übrigen Außenräume wirklich überzeugen.
Die Außenraumstruktur, gebildet aus den belassenen Bestandsgebäuden und den daraus abgeleiteten Neubauten, begeistert, die Ausformulierung einzelner Teilräume sind aber noch marginal. Die gezeigten Fassaden werden positiv diskutiert. Das Gefühl, die Atmosphäre vom Werksgelände bleibt insgesamt als eigener Charakter spürbar.
↑3. Preis
3. Preis: Riehle+Assoziierte GmbH+Co.KG, Stuttgart
Beurteilung des Preisgerichts der Arbeit 9012
Die Verfasser erhalten größere Teile des Bestands und ergänzen auf den Neubaufeldern mit Typologien, die sich an diesem Maßstab orientieren. Dadurch gelingt es die Körnigkeit und den Charakter des industriell/gewerblichen Gebietes in Erinnerung zu halten. Dies unterstützt die Gestaltung der Innenhöfe, die über Durchgänge gut ins städtische Gewebe eingebunden sind, aber auch als privatere, grüne Räume das Wohnumfeld bereichern. Ein Gebäude an der Hackstraße schließt den gründerzeitlichen Block fast vollständig. Hier ist der Zugang über eine zweigeschossige Öffnung vermutlich nicht angemessen. Die anderen Anschlüsse an die Stadt, der Umgang mit den verschiedenen Niveaus und die reaktivierte Sickstraße überzeugen hingegen. Sie sind als begrünte Wege und Gemeinschaftsflächen mit hoher Aufenthaltsqualität gestaltet. Ein mittiger Quartierplatz ist von Gewerbeflächen umgeben und mit einem Hochhaus mit kleineren Wohnungen ausgezeichnet, an ab gewandteren Lagen wird in Ateliers und Maisonettewohnungen teilweise bis ins Erdgeschoss gewohnt. Das Verwaltungsgebäude 30/31/32 ist ein gemeinschaftliches Haus mit einer großen Zahl von Kleinwohnungen und Infrastruktur (Kita, Gemeinschaftsräume, Küchen, Werkstätten, Waschküchen). Die Neubauten sind fünf bis achtgeschossig, in tieferen Bereichen sind gemeinschaftliche Dachterrassen direkt aus den Treppenhäusern zugänglich.
Drei Tiefgaragen (größtenteils Bestand) sind von der Hack- und Stöckachstraße und vom Heilandplatz direkt erschlossen, der ganze Innenraum ist somit bis auf Anlieferungsverkehr autofrei. An der Metzstraße sind Car-Sharing-Fahrzeuge und ein Fahrradverleih Teil des Mobilitätskonzepts.
Das Projekt liegt bezüglich der Flächen und der Wohnungszahl im oberen Bereich, die Nutzungen und Grundrisse sind plausibel, die ökonomische Machbarkeit wird positiv beurteilt. Flexible Angebote in den Erdgeschossen und in Sockelzonen des Bestands versprechen eine gute Anpassbarkeit an sich verändernde Bedürfnisse im Quartier.
Das Projekt besticht durch große Sorgfalt, angemessene Entscheide und eine tiefe, Durcharbeitung der Wohnungstypologien. Die konstruktiven Aussagen sind zurückhaltend und der dargestellte Ausdruck der Gebäude ein wenig spröde. Ebenso fehlen noch Aussagen zu Fassaden- und Dachbegrünung. Die robuste Struktur des Projekts bietet aber beste Voraussetzungen für die weitere Bearbeitung.
↑Anerkennung
Anerkennung: Hascher Jehle Design GmbH, Berlin
Beurteilung des Preisgerichts der Arbeit 9013
Die Arbeit überzeugt mit einer klaren städtebaulichen Grundhaltung, die für das Areal eine gleichmäßige, offene Blockrandstruktur beschreibt. Dabei werden straßenartige Stadträume in den zentralen Bereich des Areals geführt, um schließlich auf einem Platz mit Quartiershaus zusammen zu laufen. Im Übergang zum Umfeld wird die städtebauliche Figur jeweils leicht variiert und schafft so durchaus qualitätsvolle städtebauliche Übergangssituationen insbesondere im Bereich Heilandplatz und Schwarzenbergstraße.
Die Freiheit dieser klaren Grundstruktur erarbeitet sich der Entwurf durch einen weitgehenden Abbruch des Bestands. Einzig das EnBW Hochhaus sowie Teile des Bestands an der Stöckachstraße werden als identitätsstufende Elemente erkannt und mit den angrenzenden Bestandsstrukturen in das Zielbild überführt. Der Entwurf erreicht so mit einer wohlproportionierten Leichtigkeit die vorgegebenen Flächen- und Wohnungskennwerte. Die Verlagerung der Sporthalle aus dem Bestand in den zentralen Bereich wird in der Jury kontrovers diskutiert. Das Schließen der Metzstraße ist nicht nachzuvollziehen.
Die vorgeschlagene Bebauung zeigt gängige Wohnungs- und Erschließungstypologien, die funktionieren, aber keinerlei Variation erfahren. Neben den klassischen Erschließungskerne werden ergänzend so genannte Green Hubs vorgeschlagen, die neben Erschließungs- und Frischluftfunktionen und auch gemeinschaftliche Einrichtungen vorhalten. Die Green Hubs werden zusammen mit dem vorgeschlagenen Fassadenbild grundsätzlich positiv bewertet, wirken aber – genau wie der Green Loop auf den Dächern der Gebäude – eher additiv.
Die klare städtebauliche Grundstruktur bietet eine gute Orientierung im öffentlichen Raum. Leider aber ist die resultierende Freiraumgestaltung im Stadtraum wie in den Übergangssituationen im Detail wenig differenziert. Die eher privaten Innenhöfe mit durchgehenden Grünflächen und variierenden Aufenthaltsangeboten sind gegenüber dem öffentlichen Stadtraum zu großzügig dimensioniert und können nicht überzeugen.
Insgesamt zeigt die Arbeit eine solide städtebauliche Grundstruktur, die als Grundlage für ein gutes Stadtquartier dienen kann. Die Green Hubs zeigen sich als anspruchsvolles Element in der Bebauung, die den weitgehenden Verlust an Bestandsordnung und -bebauung im Sinne einer zukünftigen Identität für das Quartier aber nicht kompensieren kann.
Anerkennung: Topotek 1 Architektur, Zürich
Beurteilung des Preisgerichts der Arbeit 9002
Der Entwurf wird als konzeptionelles Statement verstanden den gesamten Bestand zu erhalten und durch Aufstockungen zu verdichten und so vom Produktionsstandort zum Wohnort zu transformieren. So klar und begrüßenswert dieser Ansatz ist, so brüchig wird er allerdings in der Konsequenz der Umsetzung. Durch den Erhalt aller Bestandsgebäude, wird eine städtebauliche Struktur manifestiert, die für ein neues Quartier anderer Nutzung räumliche Defizite aufweist.
Auch die Monotypologie der Nutzungen innerhalb der Aufstockung eines Gebäudes mit einem Wohntypus entspricht wenig einer gewünschten sozialen Mischung.
Sehr begrüßt wird aber die quartiersbezogene Mischung, die eine große Bandbreite an Wohnformen ermöglicht und zusätzlich gerade mit den großflächigen Bestandsbauten der früheren Industrie Möglichkeit für unkonventionelle Nutzungen schafft.
Trotz Darstellung konstruktiver Ansätze des Hochbaus für die Aufstockungen, scheinen diese bei einigen der Gebäude doch technisch schwierig und aufwendig.
Bei aller Konsequenz der städtebaulichen Grundhaltung, kann das vorgeschlagene Freiraumkonzept nicht überzeugen. Die ganzflächig homogen angeordneten Pflanzinseln leisten keinen überzeugenden Beitrag zu Aufenthaltsqualitäten des öffentlichen Raumes; gebäudenahe, private Freiflächen fehlen vollständig.
Insgesamt besticht der Entwurf durch seinen stringenten Ansatz des Erhalts aller vorhandenen Gebäude, zeigt aber auch über die Umsetzungsproblematik hinaus, die Schwäche in der räumlichen Ausbildung für ein neues langfristig zukunftsweisendes Quartier.